Schriftsteller, Fotograf, Indipendent
 
schreibend und sehend leben


 

 






Analoge Fotografie



Krieg ohne Sieg! Krieg – wo ist da der Sieg? Es wird wieder gekämpft und Milliarden in Waffen investiert, das muss so sein, behauptet die Mehrheit, denn wären es nur die Wenigen, die Minderheit, gäbe es keinen Krieg, es wäre undemokratisch, nach Krieg zu verlangen. So aber gibt es wieder einen Krieg, nicht in der Welt, da gibt es viele, nein, hier und beim Russen. Das blutige Feld liegt in der Ukraine und in Russland. Die anderen liefern Ratschläge und Waffen, sonst halten sie sich raus. Es wird geschossen, gekämpft, gemordet, vergewaltigt, gelitten, gestorben, verwüstet und manches mehr, aber alles nichts Gutes, Krieg halt, im wahrsten Sinne des Wortes. Seit Menschengedenken: Krieg, die Mutter aller Schlachten. Worte fliegen wie Kugeln durch die Luft, digital transportiert: moderner Krieg, Drohnen, Batterien, modernes Grausen, medial orchestriertes Hurragebrüll. Krieg, ein abstrus scheußliches Wort, es riecht nach Blut, Verstümmelung und Tod. Das war schon immer so, in allen Zeiten, russisches Roulette. Kollektiv induziertes Abschlachten, um des Siegens Wille, das ist Krieg. Recht und Gerechtigkeit auf verlorenem, sumpfigen Boden, absurd und abstrus, denn: jene, die ihn führen und jene, die ihn dulden, sind substantiell Abhängige von Sieg und Niederlage, philosophische Tretminen der Propaganda. Mann gegen Mann, Mann gegen Frau, Kind, Beute, Opfer, Sieg! Hurra! Hurra! Hurra! Wir haben gesiegt! Krieg und Sieg. Über Öl und Gas, für Ruhm und Ehre, um Geld sowieso, Aktienkurse, Börse, Gewinne: Hurra! Es geht um Gerechtigkeit und Gewinn, weniger um Moral, denn um Stärke, gemessen in Spreng- und Vernichtungskraft. Ein Brunftschrei der PATR-I-DIOTEN: Der Westen, nein Wir, hat und haben gesiegt. Streit um Worte, Land, Besitz und Privilegien. Dabei haben ALLE verloren: als erstes an Humanität, nicht an Menschlichkeit, denn zu der gehört der Krieg begrifflich, giftig, dazu. An Lebensqualität, denn die Abermilliarden, die für Rüstung rausgeschmissen werden, sind ein Symbol für die Dummheit der Rasse Mensch. Die Herrinnen und Herren der Erde, sie haben nichts gelernt, lediglich wiederholt, wie Vokabeln einer marsenoischen Sprache. Der genetische Wahnsinn einer Spezies, die sich selbst zu wichtig nimmt. Und ungleich mehr Probleme schafft als sie je in ihrer Zeitspanne wird lösen können. Krieg, die neue, alte Weltordnung der Dinge. Dabei siegt nur immer Einer: Der Tod, der Vollstrecker. Aber, bis der zur Tat schreitet, sorgen wir Menschen dafür, dass das Leben zur Schnitzeljagd der Preise und des Geldes wird und Geld ist nicht gerecht. Es ist die Duftmarke der Siegerinnen und Sieger, das Parfum der Dekadenz. So tanzt die Freude am Leben in den Blutpfützen der Besiegten – eine menschliche Tragödie. Und der Sieg riecht verdächtig nach Blut und Tränen und schon gar nicht nach Gerechtigkeit, woher denn!? Die Frage der Schuld, ein unlösbares Rätsel. Sind die Opfer schuld, weil sie zu schwach waren und es dem Sieger zu leicht gemacht haben, oder ist der Sieger schuld, weil er brutaler und stärker war, gnadenloser? Wem helfen diese Fragen an Nationalfeiertagen an denen Armeen von Uniformträgern im Gleichschritt über Marsfelder marschieren? Krieg und Sieg, eine traurig-schaurig menschliche Tragödie! Die Orden sind aus Blut, die Stiefel treten in Tränen, die Hände am Gewehr, alte Ordnung. Wir rüsten auf und sind gerüstet -gegen den Feind-, gegen den Freund, gegen das Wir. Digital schnüffeln wir, dort wo wir nichts verloren haben, in der Intimsphäre des Anderen. Wir wittern Intrige und Verrat, zwischen Kain und Abel, zwischen Brüdern und Schwestern, von Mensch zu Mensch. Wie es schon immer war – ist – sein wird, ad infinitum. Triebhaft, unlogisch, absurd und blutig. Der traurig-trauernde Mensch, der Verlorene – Lost man




Rebellion

ich fasse mich kurz:: ich hatte das Glück, alt geworden zu sein.

Nicht im Kopf, aber im Körper. Ich hatte das Glück, mein Leben bewusst und eigenständig gelebt zu haben,

nicht regiert oder nur verwaltet worden zu sein, sondern mit meinem Geist meinen Fehlern als Mensch in das ungeschönte Gesicht der Wahrheit gesehen zu haben.
Ich hatte das Glück, nicht ganz dumm und naiv mein Leben zu führen und unterscheiden zu lernen, was zählt und was nicht.

Ich habe genossen, geliebt und gelitten, alles zu seiner Zeit, so wie es einem Menschen zusteht.


Was ich nun erlebe, das ist die Perversion des Glücks, die Frevel der Idioten, die Negation des Geistes.

Ich bin dankbar, dass ich den Menschen auf den Grund geblickt habe, ohne Illusionen, ohne Erwartungen,

ohne Gnade.

Diese Erfahrung sagt mir, dass nichts zählt und niemand,


einzig das Leben selbst.

I C H




Wo die Sprache versagt, beginnt das Grauen

8./9. Mai 2022

Der Vergewaltiger

 Deutsch ist eine Sprache, so wie Hunderte andere, einschließlich aller Dialekte. Im Deutschen gibt es ein Wort, das heißt „Vergewaltiger“. Woher kommt die Existenz und die Bedeutung -Konnotation im Fachsprech- dieses einen Wortes. Warum wurde es erfunden oder gebildet? Es zeigt ein typisches Verhaltensmuster, des oder der Vergewaltiger/-innen (auch Frauen können Täterinnen sein, zumal im Zeichen der Gleichberechtigung oder Neusprech #metoo). Aber meistens sind es die prädestinierten Männer, die Y-Männer. Gibt es den Begriff, die Verhaltensnorn „die Vergewaltigende“. Nein! Männer sind die genetischen Täter, die hormon-, triebgesteuerten, die gehirnarmen. Sie f***** (sie wissen schon das sexistische Unwort, der Alptraum frigider Frauen und die Scham-Angst impotenter Männer: Leistung halt. VERGEWALTIGUNGEN, oh‘ Gott, bloß das nicht! Schreibt sich Gott mit Doppel-T oder mit einfachem t? Heutzutage weiß man das nicht mehr so genau, denn heutzutage ist alles nichts. Heutzutage hat nur der HAMMER, der Ultra-Hammer seine Berechtigung; oh Kotz‘. Entweder die mercedesgesteuerten Diplomaten (von einem anderen Stern, natürlich, überirdische Wesen, gottähnlich, mindestens…), oder die ultraharten Kämpfer/Krieger, arisch oder arabisch mit Krummsäbel, höchstens noch atomgesteuerte Aliens. He, Lipps, spinnst du? Schön wär’s, denn die Spinner haben Hochkonjunktur und das mit System. Sie erzählen der Menschheit, was gut und böse ist, was unabdingbar notwendig, dringend, sofort, gestern lieber als heute (keine Zeit für Einkehr, Buße, Reflexion), nein, Zauderer-Versager, Sieger-Typen, Männer halt, was denn sonst, GENETISCHE Y-lons, oder Xsses? Scheißegal: ob X oder Y, Täter, Opfer, Vergewaltiger, Profi- oder Non-Profit-Killer, Hauptsache EFFIZIENZ. NICHT ICH BIN DAS PROBLEM, ja wer denn dann? Preisausschreiben für Glücksgläubige, Spieler-/gendergerechte – of course! LEBEN und TOD



SELBSTVERTEIDIGUNG UND PAZIFISMUS - EIN WIDERSPRUCH?!


Ein Gedankenexperiment: Stell‘ dir vor, ein gigantischer Bär steht vor dir und hat nur eine Absicht, dich zu töten und zu fressen – mit Haut und Haaren; was machst du? Noch ein Gedanke: Stell‘ dir vor ein schwerstbewaffneter Mensch hält eine Kanone auf deinen Bauch oder lässt dich in das schwarze Loch eines Panzergeschützrohrs blicken; was machst du? Der Wille, zu leben, der Trieb, zu überleben: Ist der Bär ein moralisch verwerfliches Tier und ist er sich dessen bewusst? Und wenn er sich dessen bewusst wäre, ohne seine Absicht zu ändern? Welche Bedeutung hätte das? Hat der Bär ein „Gewissen“? Wenn man den Bären verschwinden lässt und an die gleiche Stelle ein schwerstbewaffneter Mensch stellt, ändert sich dann etwas an der Situation?

 

Der Bär-Mensch schert sich einen Dreck um „Moral“, reiner Luxus, der denkt ausschließlich an Beute und Macht. Auf einer waagrechten Linie zwischen Leben und Tod, steht der Bär-Mensch auf Seiten des Lebens und der Pazifist gefährlich nahe dem Tod. Eine Frage des Über-Lebens-Willens. Gleichwohl eine Standortbestimmung. Will ich über-/leben, brauche ich Waffen. Will ich ein moralisch integerer Mensch sein/bleiben, sollte ich einen Pakt mit dem Tod schließen. Eine existentielle Niederlage.

 

Bedenke, du kleiner Mensch, dass du auch sterblich bist, egal, wofür du dich entscheidest.


WOFÜR STERBEN WIR?


 


 


Krieg, das lohnende Geschäft
In ein Menschenleben passt manches und vieles hinein, Gutes und Mieses. Ich gehöre zu der Generation deutscher Töchter und Söhne, die keinen direkten Krieg, keinen unmittelbaren, erlebt haben. Gegen Ende meines Lebens nun doch noch – mittelbar, anhand der Auswirkungen. Es geht hier aber nicht um mich und auch nicht um das Glück des Verschont-Bleibens, es geht ausschließlich um die Frage Warum gibt es (immer wieder) Krieg?


Weil er sich lohnen muss!
Krieg ist in erster Linie, in instrumenteller Hinsicht, Zerstörung, Vernichtung, die absolute Negation von Glück und Schönheit. Zumindest für den größten Teil aller Beteiligten, ob direkt oder indirekt. Ohne in weitschweifige, hochintellektuelle Erklärungsversuche auszuufern, weder soziologische, noch kulturelle, auch nicht psychologische, oder ideologische, die alle mehr oder weniger um Erklärungshoheiten streiten mögen: Wie kommt ein Mensch dazu, dem Rest den Krieg zu erklären? Ist es Größenwahn?, ist es blinder Hass?, ist es ein Automatismus der Evolution?
Nein, es ist ein subjektives Kalkül, eine Prognose auf die Zukunft, in der aus Selbstüberschätzung („Wenn’s ihr zu wohl ist, geht die Gaiß auf’s Eis“) irrationale Entscheidungen getroffen werden, die aber rationale Konsequenzen haben werden. Es ist ein mörderisches Spiel von Gewinnern und Verlierern, die ich mir erspare, im einzelnen aufzuzählen. Warum? Nicht unwesentlich ist dabei das Element der Ungeduld. Dem Aggressor fehlt die Geduld, alles soll/muss schneller gehen: des prognostizierten Erfolges und Gewinnes wegen. Quasi ein Kurzschluss des Denkens und Entscheidens. Und kommen sie jetzt nicht mit Moral und Gewissen daher, die spielen im Krieg die kleinste Rolle, sind vernachlässigbar.


Es geht um das Spiel mit Gewinn!
Wenn Öl zu billig war, wenn Nahrungsmittel in Centbeträgen gehandelt werden, wenn alles scheinbar selbstverständlich und mit Rabattschlachten gedumpt ist, dann machen Mangel und Not das Leben teuer, auch und am aller meisten das der Einfachen. Und die sind nun mal die überwältigende Mehrheit. Mit ihren überschaubaren Budgets müssen sie um das Alltäglichste kämpfen, aber es nützt ihnen nichts, denn sie gehören definitionsgemäß und unumkehrbar zu den Verlierern. Während die Händler vermeintlicher Sicherheit sich als die Glücklichen schätzen dürfen. Am Ende des Jahres locken unanständige fette Profite. Jüngstes Beispiel war diese unappetitliche Maskenaffäre während der Pandemie – schon vergessen?


Also: Krieg ist hochfunktional und lukrativ, leider nicht für die meisten, wohl aber für einen handverlesenen kleinen Kreis von Cleverles, wie es die Schwaben ausdrücken würden. Und das erklärt, warum es Krieg seit Menschengedenken gibt und geben wird: Ein lohnendes Geschäft, leider.


1. April 2022
2. Ernst Lipps



24. Februar 2022 - ES LEBE DIE EWIGE FREIHEIT UND DIE HEILIGKEIT DES FRIEDENS

Wer Wind sät, wird Sturm ernten





Der Mensch ist des Menschen Feind; - ist, war, bleibt, meine Überzeugung.

Das Einzige, was wirklich zählt, sind das Leben und die Liebe, der Rest ist TOD.

Wir müssen alle einmal sterben, aber nicht so, nicht durch menschengemachten Krieg.

Ich weiss, dass das nur Worte sind, aber die Sprache ist Kommunikation; sobald wir verstummen,

endet die Menschlichkeit, das Wesen des Humanen. Wir töten Tiere, um zu essen, wir töten Menschen,

um unsere Sicht und Wertigkeit zu demonstrieren - letzten Endes töten wir uns selbst,

wenn wir nicht irgendwann begreifen -vielleicht in fernster Zukunft-, dass wir nicht töten,

sondern erhalten und bewahren sollten, was uns überleben lässt: Die Liebe zum Leben und zu Mutter Erde.



KRIEG?!

 


 Krieg ist das Dümmste und das Verbrecherischste, das Menschen je erfunden haben.

Krieg ist der Profit der Verbrecher und der Offenbarungseid der Dummen.

Mit Krieg zu spekulieren, ist wie eine Börse, die mit Menschenblut spekuliert und Geschäfte macht; Krieg ist pure Gewalt und nackter Mord.

 Deutschland ist das letzte Land, das gegen Russland je Krieg führen darf;

Das bezeugen 25 Millionen Gefallene, Russen und Russinnen im Zweiten Weltkrieg.

Es geht nicht um Moral, es geht um den logischen Verzicht auf Hierarchie und Dominanz.


Nie wieder Krieg!

 

Deutschland sollte aus seiner Vergangenheit gelernt haben und: sich emanzipiert haben, von Kriegsgewinnlern, falschen Propheten und gefährlichen Idioten.

 20. Februar 2022




Stelle dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin So hieß es mal, ist lange her. Verhaltensänderungen beginnen mit Vorstellungen über etwas, wie es sein könnte. Statt dessen heißt es heute PFLICHT und bedeutet ZWANG. Was für ein Rückschritt im Denken, ein Atavismus. Seien wir Menschen doch endlich einmal konsequent: Wir sollen und dürfen keine Gewalt anwenden, wenn wir demonstrieren müssen gegen Unfreiheit der eigenen Willenskraft, aber diejenigen, die uns beherrschen und  programmieren, finden beliebige Anlässe, Kriege zu inszenieren, wann und wo es ihnen beliebt!? Und so was nennt sich auch noch DEMOKRATIE – ein Hohn. Und es wird welche geben, die gehen hin, dort, wo der Krieg ist, und machen mit, die Worthurerei: KRIEG IST FRIEDEN, FRIEDEN IST KRIEG. Gewalt dort, wo sie befohlen wird und Gehorsam zum ZWANG geworden ist. Keine Gewalt! Kein Krieg! Kein Gehorsam! Stelle dir vor …

13. Februar 2022


2022 Wenn du die Furcht vor dem Tod (Furcht ist eine konkrete Sache, was Echtes, lehrt die Wissenschaft der Psychologie, im Gegensatz zur Angst, die ein theoretisches Gebilde ist, aus Gedanken und Vermutungen über etwas, das noch nicht konkret ist) überwunden hast, dann bist du frei – nur dann! Um Sterben zu können, muss man richtig fett gelebt haben. Man muss das Leben ausgekostet haben, wenig ausgelassen, viel erlebt und gelebt haben. Dann ist der Tod wie ein fremder Schlaf -ohne Träume-, denn das Leben war dein Traum. Die Transzendenz des Todes ist die Akzeptanz des Glücks. Denn, das Leben ist reinstes Glück. Ein Schatz aus einmaligen Zufällen. Dss sind die Gedanken eines Magiers des Unbekannten. Die Psychologie und damit ist nicht die wissenschaftliche gemeint, sondern die Erfahrung der Weisheit, ist die Musik des menschlichen Geistes, die Leichtigkeit, Eleganz und Unbeschwertheit des Seins. Furcht ist die Gewissheit über die Macht des Tragischen, die Schrecken der Existenz. Angst ist die Überflüssigkeit der Gedanken. Die Psychologie lehrt den Weg aus der Bedrängnis des Seins und der Existenz. NEIN, ein wunderbares Wort, ein Statement, eine Aussage, eine Standortbestimmung. Nein kann nur jemand sagen, die oder der oder das oder was auch immer, die Angst überwunden hat und furchtlos geworden ist vor den Zwängen des Mensch-Seins. 2022, ein Jahr wie tausende andere und doch: Schluss mit Angst, Augen auf vor der Furcht! Sinne schärfen, Träume singen, fremde Wege gehen, Grenzen überschreiten, furchtlos – entschlossen, wortlos, schweigend, zielsicher, tödlich präzise. Kompromisslos.


21.12.2021

Wintersonnenwende, eine magische Zahl

  • Als Psychologe bin ich der absoluten Überzeugung, dass unser Denken unser Sein bestimmt, unabhängig von der Kaste, in der dein Schicksal, deine Existenz, fixiert worden sind. Ich werde das nicht weiter erläutern, wozu? Dein Leben ist determiniert, aber, dein Geist entscheidet, wie du dein Schicksal interpretierst. Auch das werde ich nicht begründen, wozu? Ob du als Hexe verbrannt wirst, als Ketzer gekreuzigt, als Abweichler in Ketten gelegt, als Flüchtling verachtet und in Lager gefangen: DU, Mensch, bist Mensch, sonst nichts, aber alles. Es sind Menschen, die dein Schicksal lenken, nicht die Götter, die schlafen, huren, saufen, ficken oder machen sonst was von Scheiß. Sie existieren nicht. Sie sind den Hirnen der Menschen entronnen, ersonnen worden. Aber dich gibt es - oh' Wunder. ob Verbrecher, Lump. Hure oder Heiliger; du bist Chance und Niete, Wunder und Verheißung. Du bist, was du aus dir machst. Ob du untergehst, oder triumphierst, ob du einfach, oder kompliziert bist: du Mensch. Du hast deinen Willen, schwach oder stark, du hast ihn. Du hast Gefühle, hoffentlich? Du bist lebendig, dann bleibe es auch; sei bereit zu lernen, sei bereit, dich zu entwickeln, sei bereit, über dich hinauszuwachsen, nur dann wird dein Schicksal dich hören und -vielleicht- belohnen. Lebe den Tag, die Stunde, die Minute, deinen Atemzug, sei glücklich, denn das Glück gönnt dir die Menschheit nie. Sei stark!


"Glaube ihnen nicht, fürchte Dich nicht, bitte um nichts - und lache"

 Maria Kolesnikowa,

eine mutige Frau, ein selbstbestimmter Mensch,

eine Ausnahmeerscheinung


ROSA UND DIE REVOLUTION

Um die Deutschen zu verstehen – ihr Spitznamen bei den Türken soll „Der Arbeiter“ sein, hat mir ein Türke einmal erzählt, und mancher Ausländer hält die Deutschen für typische Konformisten, also übersetzt, für Angepasste an ein System -, sollte man die Geschichte der Rosa Luxemburg gut kennen. Rosa war alles andere als ein liebes, naives Mädchen, dafür war sie zu intelligent und zu gewaltbereit. Das war schon mal, Anfang des vorigen Jahrhunderts gelinde gesagt suspekt bei einer Frau, einem Jahrhundert, dem zwei Weltkriege und Blut, Leid und Tod in Millionenauflagen in seine Chronik geschrieben waren. Sie hatte aber erkannt, dass der Mensch dazu neigt, andere auszubeuten: Menschen, Tiere, Pflanzen und Natur. Das wollte nicht in ihren eigensinnigen, klugen Kopf und schon gar nicht in ihr noch leidenschaftlicheres Frauenherz hinein. Rosa war eine politische Persönlichkeit und eine militante, visionäre Träumerin, die Unrecht auf den Tod hinaus nicht ausstehen konnte und wollte. Deshalb saß sie auch unfreiwillig manche kostbaren Jahre ihres Lebens im Gefängnis. Und man sollte sich den Namen Noske gut merken, nicht weil er es verdient hätte, das Gegenteil ist der Fall, niemals, aber weil Opfer und Täter – auch und besonders die mittelbaren Täter, die Befehlsgeber, die Überzeugungstäter -, auf tragische Weise und ungewollt miteinander verschlungen sind, menschlich halt. Warum kommen mir gerade heute Morgen, wo Deutschland noch schläft, solche Gedanken? Weil die Geschichte der Menschheit zu Wiederholungen neigt: Namen und Figuren kommen und gehen – Muster bleiben!

Januar 2022



Evgenij Samjatin veröffentlichte 1920 Wir. Nach den Bluttaumeln des Ersten Weltkrieges, noch unwissend des baldigen Völkermordens des Zweiten. Für schwer Zeitgeplagte genügt es, das letzte Kapitel seines Romans -die 40. Aufzeichnung- zu lesen. Dort steht alles beschrieben, was totalitäre Systeme mit und aus Menschen machen, unabhängig von Nation oder Hautfarbe, mit menschengeschichtlicher Gültigkeit, solange es Menschen gibt und geben wird. Die Krankheit nennt sich die Seele und die wird lokalisiert und … (ich will den Spannungsbogen nicht brechen!). So viel sei gesagt: Glauben ist eine heikle Sache, Verstehen und Handeln eine andere.

2022



VERGANGENHEIT

>>Es lebe die Freiheit!<< Hans Scholl, 22. Februar 1942 Verhandlung führte Dr. Roland Freisler, Präsident des "Volksgerichtshof" direkt in München, war von Berlin eingeflogen:

"Wir brauchen kein Recht! Wir brauchen kein Gesetz! Wer gegen uns ist, der wird vernichtet!"

Ein Gestapo-Beamter notiert für Freisler Hans Scholls Kommentar: >>Scholl bezeichnete die laufende Verhandlung als Affentheater (Hervorhebung von mir)<<. Am selben Tag noch vollstreckt der Scharfrichter Johann Reichart das Todesurteil an Christoph Probst, Hans Scholl und Sophie Scholl mit dem Beil. Er hat über 3.000 Urteile vollstreckt. Wurde nach Kriegsende für kurze Zeit entlassen und bereits im Herbst 1945 wieder vom bayrischen Justizministerium eingestellt und nach Landsberg verpflichtet, als Henker für die in Nürnberg verurteilten NS-Hauptkriegsverbrecher.

Freisler wurde während einer Verhandlungspause von einem marodierenden Bombensplitter getötet.

Eine weiter Handvoll Blutrichter, verantwortlich für über 7.000 Urteile, übten ihren Dienst teils noch Jahrzehnte für die neu entstandene Bundesrepublik aus - ohne erkennbare Nachteile für ihre Vita. Literatur: Ulrich Chaussy . Gerd R. Ueberschär >>Es lebe die Freiheit!<< - Die Geschichte der Weißen Rose und ihrer Mitglieder in Dokumenten und Berichten, S. 94-98, Fischer TB 2013

Was ist mein Bezug zur deutschen Geschichte? Ich wurde Mitte der 60er Jahre am Gymnasium mit der historischen Aufarbeitung der Blut- und Verbrechensspur des Tausenjährigen Reichs intensiv konfrontiert. Was ich damals nicht wusste - vielleicht war ich zu jung, zu abgelenkt, zu naiv ..., dass die meisten Nazis nahtlos Schlüsselpositionen in der BRD einnahmen. Die Archive blieben unter Verschluss, bis 1989, nach dem Fall der Deutschen Mauer.

Und erneut wiederholten sich ähnliche Abläufe unter anderen Vorzeichen. Das nannte man Aufarbeitung. Inzwischen weiß ich, dass "Aufarbeitung" ein, zwei, drei und mehr Generationen umfassen kann. Wir beginnen - wieder - auf einer ganz neuen Ebene, uns der Wahrheit der Geschichte zu stellen. Werden wir ihr gewachsen sein? Die Toten sprechen zu uns! 18. April 2018

GEGENWART

Als ich gestern Mittag zufällig im Internet die Seite der "Süddeutschen" überflogen habe, las ich, was das konkret bedeutet. Am prägnantesten hat es Heribert Prantl auf den Punkt gebracht, ich fasse zusammen: Das Seehofern und Södern (Lipps) sieht so aus: Der Paragraf 63 wurde "reformiert". Er regelt die zwangsweise Unterbringung des Einzelnen in der forensischen Psychiatrie. Wenn sie dort einmal angekommen sind, treten strafrechtliche Massnahmen in Kraft: In Krisensituationen - ohne dass eine strafbare Handlung vorliegt - tritt die Zwangsunterbringung in die "Geschloßene" in Kraft, vorerst nur in Bayern, das in solchen Beschlüßen schnell und vorbildlich in seiner Selbstwahrnehmung schon immer war. Die Vorschriften sind denen des Strafrechts analog: Einschränkung und Kontrolle aller Besuche, Überwachung der Telefonate, Videoüberwachung, Durchsuchung des Kranken, wozu auch die "Kontrolle der intimen Körperöffnungen" zählt!. Damit noch nicht genug, werden die Klinik und das therapeutische Personal gezwungen (entgegen dem §203 Schweigepflicht, StGB) Meldung zu machen und Daten wie Befund und Diagnose an eine Zentralstelle weiterzugeben.


Meine erste Reaktion war Fassungslosigkeit. Mir war sofort klar, dass dieses polit-juristische Monstrum in alle Ebenen des Zusammenlebens eines Individuums hineingreift. Die zukünftigen Folgen sind weitreichendst. Unmittelbare Folge ist, dass Angst erzeugt wird. In repressiven Staatsgebilden sind zwangspsychiatriesche Einweisungen eines der häufigsten Mittel, um Abweichler ruhig zu stellen. In Zeiten in denen das Hochlied des freien, demokratischen Westens, exponiert die freie demokratische, vereinigte Bundesrepublik, laut angestimmt wurde, konnte man froh sein, nicht in einem der bekannten Staatsgebilden leben zu müssen. Ein gutes Gefühl.


ZUKUNFT - sie hat bereits begonnen - jenseits von 1984, Orwell war gestern!


Diese Zeiten sind ab sofort unwiederbringlich vorbei. Das wird die nächstliegende Zukunft beweisen.

 

Es geht, um das verstehen zu können um das 'Psychische'. Aber was ist das? Bei den Griechen im Altertum, als der Himmel den Göttern und die Erde den Menschen gehörte, hatte ein König (nachzulesen in dem erbaulichen Buch von Michael Köhlmeier - Das grosse Sagenbuch des klassischen Altertums, S. 395-414) vier Töchter. Die Jüngste hieß Psyche, eine makellose, unnahbare, unberührte junge Schönheit, die Schönste überhaupt. Es wurde gemunkelt, dass sie schöner als Aphrodite, die Göttin der Schönheit und der Liebe sei. Es braucht nicht viel Fantasie, dass so was nie ohne Folgen bleiben wird. Ich kürze: Eros, der "Gott des Begehrens" (Köhlmeier), ein Sohn der Aphrodite und des Kriegsgottes Ares, verliebte sich schicksalhaft in dieses attraktive Menschenkind mit Namen Psyche. was dann geschah, sollten man selbst nachlesen. Wir leben nicht mehr im Altertum, auch nicht mehr, oder vielleicht doch wieder, im dunklen Mittelalter der Folter, Inquisition und Hexenverbrennung. Wir leben im Jahr 2018. Was bedeutet das konkret, wenn sich jemand entweder selbst, oder andere töten möchte? Die Gesellschaft will nicht, dass er, weder das eine, noch das andere tut. Und ergreift Massnahmen. Historisch waren das Gummizellen, kalte Bäder, Spritzen, hirnchirurgische Eingriffe u.a. ______________________


Psyche, die Schöne, die menschliche, hat auch ihre Schatten. Sie wird bewundert, beneidet, gehasst und gefürchtet kraft ihrer Expressivität. Und das Bedürfnis ist groß, genauso wie beim Sex, sie zu kontrollieren. Zu kategorisieren, was gut, was schlecht ist. Ohne in die Philosophie auszuufern, das Gesödere geht zu weit! Die Schöne wird stigmatisiert, wenn sie sich nicht an die engen Grenzen der sogenannten "Normalität" hält, wenn sie mal eine Krise hat, unglücklich verliebt oder tief verzweifelt ist. Dann muss sie "behandelt" werden. Aber nicht so, definitiv nicht so. Vielleicht könnte man mal erst Leute fragen, die sich mit der Psyche etwas auskennen? Nicht weil die klüger sind, einfach nur ein wenig mehr wissen. Vielleicht könnte man die öffentliche Meinung mal hinterfragen, wie groß ihr Bedürfnis nach Sicherheit ist, dass sie klaglos Abhörskandale, Weltwirtschaftskrisen, Flüchtlingswellen, weltweite Kriege, Drohnenpleiten, Vorratsdatenspeicherung und weitere ungezählte Peinlichkeiten über sich ergehen lässt. Steuerhinterziehungen, Off-Shore-Briefkästen und dergleichen habe ich noch - wie so vieles andere - der vergangenen schwarzbraunroten und gelbgrün flankierten Ära vergessen. Oder Alt-Werden, ein Skandal. Sag' mir wo die Psyche ist, wo ist sie geblieben? Eines ist sicher, todsicher, sie wird immer mehr verwaltet, mit hunderten von Gesetzen und Formularen. Eine Tragödie -ganz im Sinne des altgriechischen Theaters.


Bändigt die Schöne!


14. November 2019 Das Orwell-Jahrhundert besteht aus kleinsten und größten Verbrechen gegen die Würde und Selbstbestimmung des Individuums: Nicht du gehörst dir, du gehörst den Großkonzernen und der Politik, es interessiert dich nicht? "Wir haben nicht gewusst?"


 


Projekt 'Liebe'

Tage, wie ein zweites Mal geboren,

die häuten, wenn Angst ins Spiel kommt, aus der Nacht in den Morgen hinein.

Exotik -weit gefehlt-, um die Ecke, universale Natur; nenne es Fremde, oder Heimat, egal.

Haut und Geruch: Witterung! Das Kind in der Frau, Schwanengesänge über kaltblauem Wasser.

Mag ein bluttriefender Teufel Moor und Schlamm gefressen haben, Fotografie hat ihre Gesetze.

So bleiben denn Bilder, aus der Nacht geboren, angebissen in extremem Licht.

Nenne es Glück, was denn sonst?

Frage nicht.

Nichts ist, wie es scheint.

24.09.2021

 

Wasser ist Leben. Die Erde, der Blaue Planet.

Fotografisch lässt sich Wasser und seine Bewegung

gut mit einem Variograufilter, einer langen Verschlusszeit,

oder beidem, "verlangsamen"- es wird zeitlos. Reines Wasser wird immer

knapper und ist wertvoller als Gold und Diamanten.

Können Sie Gold oder Diamanten  trinken?

Wasser ist ein Menschenrecht. Wasser fasziniert mich.

Am schönsten Wasserfall des Schwarzwaldes.

2021 © Ernst Lipps





Veröffentlichung in OLDTIMER MARKT, Europas größtes Oldtimer Magazin, veröffentlicht in der 07/2020e

Wer gerne liest und das ein Leben lang, stößt irgendwann auf den Namen George Orwell, oder einen Buchtitel wie 'Farm der Tiere' usw.: Sein wohl bekanntestes und letztes Buch "1984" begann er 1946 auf der Insel Jura hier an dieser Stelle zu schreiben, auf der Barnhill Farm im Nordosten der Insel, die zu den Inneren Hebriden Schottlands gehört. Irgendwann in meiner Jugend fiel es mir in die Hände, ich begann zu lesen, las nicht zu Ende, Jahre, Jahrzehnte vergingen, aber "1984" vergißt man nicht, wenn man damit angefangen hat. Eine Dystopie, eine düstere Zukunftsvision. Damals war es für mich ein zu schwerer Stoff, für den ich weder das nötige Bedingungswissen, noch die emotionale Reife und Stärke hatte. Denn der wahre Horror ist alleine mit Blut und Schmerz, mit physischen Verwüstungen, nur unvollständig abbildbar. Orwell bringt es fertig, dass unsere Seele erfriert und unsere Fantasie kapituliert. Als ich im Sommer 2018 gefragt worden bin, ob ich in einem Oldtimer mit nach Schottland fahren will, da befand ich mich am Beginn eines neuen Lebensabschnitts, besser gesagt, am Beginn des Endes des alten. Es brauchte Zeit, dorthin zu gelangen, wo 'Fantasie auf Wirklichkeit trifft" (Lipps). Aber, schließlich war es so weit: da lag die Barnhill Farm. Dorthin muß man zu Fuß gehen, 12 Kilometer alles zusammen. Orwell schlief im Zelt, draußen vor dem Haus. Er hätte es sicher bequemer haben können, ich glaube er brauchte die Berührung mit der nackten Erde, um seinen Roman zu schreiben, seinen Letzten. Eine Geschichte zu schreiben, die weder banal, noch abgedroschen wirkt, in der man fröstelt, die Liebe, das Grauen, die verlorene Hoffnung und ähnliches findet, die schreibt man nicht  am sauberen Schreibtisch mit Zentralheizung. Solche Geschichten brauchen den Regen, die Kälte, das zwielichtige Grau. Und noch mehr: Erfahrung, Verarbeitung des Erlebten, sprachliches Ausdruckssvermögen, Vorstellungskraft und eiserne Disziplin. Alles braucht seine Zeit, im Leben und in der Literatur. Warum erzähle ich das? Die Antwort findet man in "1984". Und auf Jura.




 


es war einmal
es war einmal
ANGIE
ANGIE
ANGIE
ANGIE
O
O
Olya
Olya
Mystische Portraits
Mystische Portraits
Sprache-und-Bild
Sprache-und-Bild
Mit freundlicher Genehmigung
M - like
WAVES, Victorian Picnic
SCHWARZE-HOCHZEIT
W A V E S
F-A-N-T-A-S-Y


Thierry-Edel,-Organisateur
Thierry-Edel,-Organisateur
V&eacute;ronique-de-Viguerie
Véronique-de-Viguerie
V&eacute;ronique de Viguerie
Véronique de Viguerie



Leica Fotografie International LFI, I.2022: Véronique de Viguerie - Zurück!

Eben herausgekommen, am Kiosk entdeckt...


RENDEZ-VOUS-IMAGE 2020


Ein Mensch, der sich als schreibend wahrnimmt wie ich, der ohne zu schreiben nur schwer leben könnte, was nicht bedeutet, dass er immer schreiben muss oder zwanghaft reagiert, wenn er mal nichts schreibt, will und muss das Geschriebene zeigen, teilen, wie man es heute nennen würde. Wenige Tage, nachdem ich mein erstes selbst erstelltes Buch bei Wanderer bei Hannover hatte drucken lassen, hatte ich einen Traum: ZEIT, mein eigenes Buch geht seinen Weg, verlässt mich, um hinaus zu gehen in eine dunkle, schmutzige, ja dreckige Welt. Es ist ein Teil von mir, der ab jetzt ohne mich sein Eigenleben führt. Das waren meine spontanen Gedanken und Empfindungen mitten im Traumgeschehen. Das Loslassen und Verlassen ist der entscheidende Schritt. Das war im Januar 2016: ich musste loslassen, von der Idee, von der Umsetzung, vom Ende des Entstehungsprozesses dieses Buches. Und so ist es bis heute geblieben, der Urheber hat wenig bis gar keinen Einfluß mehr, was daraus wird. ZEIT ist ein Findling, ein Schriftstück mit Fotografien zwischen zwei Hardcover-Buchdeckeln. Ich will mich nicht auf den Wert -wie immer man den definieren kann- eines solchen Produktes konzentrieren, sondern auf den Prozess seines Zustandekommens. Die erste und wichtigste Frage ist, würdest du das nochmals machen? Dir ein Buch aus den Rippen schneiden? Für eine positive Antwort gäbe es verschiedene Kriterien, anhand derer man die Frage beantworten könnte. Mir war von Anfang an klar, dass es jenseits der 60 illusorisch ist, sich auf die mit Gewissheit frustrierende Suche nach einem Verlag zu machen, aussichtslos! Unrealistsisch. Für mich schied das von vorneherein aus. Ich nahm die Sache selbst in die Hand und auch für meine Verhältnisse viel Geld: vorfinanziert, den Druck. Heute gibt es ein massives weltweites Überangebot an guten Büchern, die ihre Leser-innen suchen, besonders bei Fotobüchern. Um ein eigenes Buch zu machen, muss man dafür arbeiten. Und wenn man wie ich damals noch mitten in seiner ursprünglichen Profession steht und seinen Lebensunterhalt damit verdient, kann das nur bedeuten, dass man einen Nebenfluss zum Strom gräbt, in der Hoffnung, Nuggets zu finden: Goldgräberromantik, sonst nichts. Wenn ich also jeden Cent selbst bezahlen und verdienen muss, dann will ich auch mit sprühender Freude und unbeschreiblichem Hochgenuss zu Werke gehen, dessen war ich mir bezüglich meiner intrinsischen Motivation gewiss. Ich mache mein Buch ganz wie ich es will, allerdings wohl darauf achtend, was andere dazu meinen. Letztendlich bleibt es die eigene Entscheidung.


2020 - Ja, ich würde es noch einmal machen, genau so, nicht anders: auf eigene Faust und Risiko, in der Lust des Momentes, im zündenden Augenblick, wenn die Ideen kommen und festgehalten werden wollen. Und die Ideen, Wort, Sätze kamen spontan: auf dem Weg zu Fuß, zur Arbeit - päng, ein Gedanke, so klar, dass ich kaum erwarten konnte, am Schreibtisch in der Praxis damals noch zu sitzen und ihn schnell auf einen Zettel zu schreiben, bevor der Alltag seine Erinnerung raubt. So begann oft mein Arbeitstag, damals. Und heute sitze ich hier in den selben Räumen, die keine Praxis mehr sind, sondern ein Atelier, eine Werkstatt wie es auf gut Deutsch heißt. Der Schreibtisch, die Werkbank, alles andere losgelassen, zurückgelassen, viele, viele Illusionen, die ganz besonders, schmerzlich und gut so. Trennung von Illusion und Realität. Aber ganz ohne Illusionen oder romantischen Vorstellungen geht es auch nicht, dafür wäre das Leben zu arm. Wenn ich mich in den vergangenen Wochen und Monaten ab und zu etwas eingehender mit anderen Menschen unterhalten habe, dann kam irgendwann bei meinem Gegenüber die Sprache auf die Zukunft und auf die still gehegten Träume und Pläne, deren Zeuge ich dann geworden bin. Das gab mir die Gewissheit, dass in vielen, vielleicht in den meisten Menschen im Inneren eine eigene Welt hockt, verborgen und gesichert vor der brutalen Umwelt, die ihre eigenen Gedanken, Emotionen, Geschichten und Träume hat. Vielleicht ist es das, was die Menschheit bisher vor dem Untergang bewahrt hat, die Sehnsucht nach dem Anderen Leben, dem Geträumten, Ersehnten, Wahren. Viel Geld, Reichtum, Macht, Jugend, Schönheit, Einmaligkeit - alles vergänglich. Die Zeit läuft, zinslos.


Nur zurück in die Vergangenheit blicken, sinnlos. Hektisch so viel wie möglich in einen einzigen Tag hineinpacken: ungesund und dumm. Mit aller Hoffnung an eine bessere Zukunft glauben: naiv. Es ist nicht die Linearität der Prozesszeit des Lebens, es sind die Anker, die uns mit unserem Leben halten und verbinden, die Anker, die wir beabsichtigt oder unbeabsichtigt spontan im Fluß der Zeit werfen oder fallen lassen. ZEIT war einer dieser Anker, die ich werfen m u s s t e, um so leben zu können wie es meine Person und mein Lebenslauf es von mir verlangt hat. Aber der Anker ist am Morgen jenes Traumes gelichtet worden, als ich das Buch innerlich loslassen musste, seinen ungewissen Weg hinaus gehen lassen musste. Es bleibt "mein Sohn", die geistige Repräsentanz des Schriftstellers wie er sein Leben träumt, inmitten seiner Figuren. So wird man seinen Sohn ein Leben lang mal mehr, mal weniger im Auge behalten und im Herz mit sich tragen, man wird sich auf die eine oder andere Art in seine Figuren, die Imagines, verlieben, platonisch, väterlich, oder auf eine nicht besschreibbare Art. Die Imagines gehen ihren eigenen Weg und das ist gut so. Und der Schriftsteller-Vater ist stolz auf seine Figuren, er hat sie erträumt, ersehnt, visioniert, imaginiert und niedergeschrieben. Die Feder, der Füllfederhalter, das Notebook, was auch immer, sind seine Werkzeuge auf der Werkbank. Er weiss um die Dinge und erhebt sich in seiner Fantasie, nimmt die Kamera, notiert, skizziert, projeziert in den Text hinein. Die wirkliche Werkbank ist aber ganz wo anders: sie ist in seinem Kopf, Tag und Nacht, wach und träumend. Sie ist der Puls der Zeit. Dessen ist er sich gewiss, zweifelslos. "Inmitten" des Geschehens, mitten drin unter den 3.700 Besucher-innen des RDVI im Palais du musique et de congrès, bleibt er der stille Beobachter von Zeit und Menschen einschließlich sich selbst. Denn er wäre kein Schriftsteller, würden ihm keine neuen Plots und Szenen einfallen, die er niederschreiben wollte, weil sie ihn gefangen nehmen, seinen Geist beflügeln und nach einer eigenen Form drängen. Das Schreiben geschieht nicht um seiner selbst willen, es ist lediglich Ausdruck eines ewigen, fantasiebegabten Kindes, das seinen Weg in die Welt und ins wilde Leben sucht.



 


 

„Du musst eine Geschichte erzählen“ oder Mann und Frau an Punkt X


Der geborene Schriftsteller Ernst Lipps nimmt sich Zeit und schreibt über „Zeit“.
Ein Schriftsteller kann überall sein, er spricht durch seine Figuren, mit und über sie. Er beleuchtet ihr Innenleben, genauso wie ihre Umwelt. Einer der schreibt, reist in die Vergangenheit, genauso wie in die Zukunft. Was kümmert ihn die Zeit? Dank seiner Vorstellungskraft sind alle Türen offen, auch die zum imaginären Punkt X, wo Weichen gestellt werden. „Zeit“ heißt das Debüt von Ernst Lipps, eine Collage aus Texten und Fotografien, ein Buch, das Biographie, Science-Fiction, Poesie, Beobachtung und Philosophie klug verbindet. „Ich hatte keine andere Wahl“, schreibt der Offenburger Diplom-Psychologe Ernst Lipps über seine Motivation.   

Ernst Lipps berichtet im Anfang aus seiner Familiengeschichte und ihren Katastrophen. Der studierte Psychologe ist unter der biographischen Last nicht zusammen gebrochen, sondern hat taff sich (etwas) aufgebaut. Trotz vieler Reisen (Sibirien, St. Petersburg, Mongolei) spürte er „einen Fleck in meinem Herz“. Diese Erkenntnis trifft ihn wie ein Hammerschlag. Paris, das er erst mit 60 Jahren kennen lernt, wird zu seinem turning point. „Du musst eine Geschichte erzählen“, wird ihm geraten. Ernst Lipps nennt seine Schriftstellerei „anarchisches Schreiben“, sie beginnt eines Morgens als er „weit in die Zukunft träumte.“

Seine Geschichte ist wie jede gute Story schnell erzählt. Ein Mann und eine Frau betreten die seit 1000 Jahren menschenleere Erde. Sie sind Nachkommen von Flüchtlingen und mit überirdischen Kräften ausgestattet. Ihre menschlichen Emotionen haben sie aber behalten. „Die Menschheit des 21. Jahrhunderts hatte sich mit Stumpf und Stiel ausgerottet“, schreibt Ernst Lipps über „diese unglückliche Rasse“, die mit O'anna und dem Nomaden und Krieger „der 13. Sohn“ einen Neuanfang wagt.

Der Mann in der Geschichte bleibt Wort, die Frau wird Bild. Ernst Lipps hat mit einem Modell in einer alten verlassenen Fabrik künstlerisch hochwertige Akte in schwarzweiß fotografiert. Der Fotograf Ernst Lipps begleitet O'anna vom Eintritt durch eine Tür in die Räume und Hallen, wo die Menschheit am großen, industriellen Rad gedreht hat. Die vielen Scherben sind ein Symbol dafür, wie brüchig doch alles ist. An O'annas Mimik und Gestik liest man die Verwunderung über diesen „lost place“ ab. Diese Reste der Zivilisation sind Anfang und Ende zugleich. Ernst Lipps spielt mit Licht, Perspektiven, Schärfen und Unschärfen. Seine Bilder sind Kunst.  

Ernst Lipps nimmt sich die künstlerische Freiheit die Story zu verlassen. Anfangs hatte man den Eindruck, dass hier ein Romantiker und Neo-Symbolist seine Protagonisten wie ein Caspar David Friedrich in seinem berühmten Bild „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ (ca. 1818) verortet. Hinten liegt unsichtbar die Vergangenheit, vorne unterm Nebel die ungewisse Zukunft. Ernst Lipps lichtet den Nebel, schreibt über Glück und die Entzauberung unseres Lebens „durch die Vorherrschaft der Maschinen, besonders der Computer“.

Ernst Lipps' „Zeit“ bewahrt den Zauber, nicht nur am Anfang, wo bekanntlich immer ein Zauber inne wohnt, sondern auch am Schluss, auch ohne klassisches Happy End. O'anna wird Mutter, „der 13. Sohn“ wird ein Vater und bleibt auf der Erde und wird sich wohl vom Krieger und Nomaden zum sesshaften Bauer wandeln. „Wer hier dauerhaft leben will, muss was tun, die Dinge in die Hand nehmen, nicht hoffen und warten bis alles gut ist. Wildes Land.“ Diese heroischen Zeilen könnten aus einem John Ford Film sein, tatsächlich stammen sie von einem Neo-Symbolisten aus Offenburg. Ein programmatisches Buch!


Der Text stammt von Pascal Cames, Autor aus Offenburg

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