!7. April 2018:Die "Roten Linien" sind  längst überschritten:




http://www.sueddeutsche.de/bayern/umstrittener-gesetzentwurf-bayern-will-psychisch-kranke-wie-straftaeter-behandeln-1.3944987



http://www.sueddeutsche.de/bayern/gefaehrder-gesetz-bayern-fuehrt-die-unendlichkeitshaft-ein-1.3594307



Und das nicht nur in Syrien, sie werden vor unserer eigenen Haustür übertreten.


Was das bedeutet, dazu werde ich mir in den kommenden Tagen Gedanken machen und mich dazu äußern, wenn mir was dazu eingefallen ist!


18. April 2018


Als ich gestern Mittag zufällig im Internet die Seite der "Süddeutschen" überflogen habe, las ich, was das konkret bedeutet. Am prägnantesten hat es Heribert Prantl auf den Punkt gebracht, ich fasse zusammen:


Das Seehofern und Södern (Lipps) sieht so aus:

Der Paragraf 63 wurde "reformiert". Er regelt die zwangsweise Unterbringung des Einzelnen in der forensischen Psychiatrie. Wenn sie dort einmal angekommen sind, treten strafrechtliche Massnahmen in Kraft: In Krisensituationen - ohne dass eine strafbare Handlung vorliegt - tritt die Zwangsunterbringung in die "Geschloßene" in Kraft, vorerst nur in Bayern, das in solchen Beschlüßen schnell und vorbildlich in seiner Selbstwahrnehmung schon immer war. Die Vorschriften sind denen des Strafrechts analog: Einschränkung und Kontrolle aller Besuche, Überwachung der Telefonate, Videoüberwachung, Durchsuchung des Kranken, wozu auch die "Kontrolle der intimen Körperöffnungen" zählt!

Damit noch nicht genug, werden die Klinik und das therapeutische Personal gezwungen (entgegen dem §203 Schweigepflicht, StGB) Meldung zu machen und Daten wie Befund und Diagnose an eine Zentralstelle weiterzugeben.


Das alles ist wortwörtlich in den beiden oben als Links angegeben Artikel nachzulesen.


Meine erste Reaktion als Diplom-Psychologe, approbierter Verhaltenstherapeut und praktizierender Psychotherapeut war Fassungslosigkeit. Mir war sofort klar, dass dieses polit-juristische Monstrum in alle Ebenen des Zusammenlebens eines Individuums hineingreift. Die zukünftigen Folgen sind weitreichendst.

Unmittelbare Folge ist, dass Angst erzeugt wird. In repressiven Staatsgebilden sind zwangspsychiatriesche Einweisungen eines der häufigsten Mittel, um Abweichler ruhig zu stellen. In Zeiten in denen das Hochlied des freien, demokratischen Westens, exponiert die freie demokratische, vereinigte Bundesrepublik, laut angestimmt wurde, konnte man froh sein, nicht in einem der bekannten Staatsgebilden leben zu müssen. Ein gutes Gefühl. Diese Zeiten sind ab sofort unwiederbringlich vorbei. Das wird die nahe und fernere Zukunft beweisen.


Es geht, um das verstehen zu können um das 'Psychische'. Aber was ist das? Bei den Griechen im Altertum, als der Himmel den Göttern und die Erde den Menschen gehörte, hatte ein König (nachzulesen in dem erbaulichen Buch von Michael Köhlmeier - Das grosse Sagenbuch des klassischen Altertums, S. 395-414) vier Töchter. Die Jüngste hieß Psyche, eine makellose, unnahbare, unberührte junge Schönheit, die Schönste überhaupt. Es wurde gemunkelt, dass sie schöner als Aphrodite, die Göttin der Schönheit und der Liebe sei. Es braucht nicht viel Fantasie, dass so was nie ohne Folgen bleiben wird. Ich kürze: Eros, der "Gott des Begehrens" (Köhlmeier), ein Sohn der Aphrodite und des Kriegsgottes Ares, verliebte sich schicksalhaft in dieses attraktive Menschenkind mit Namen Psyche. was dann geschah, sollten man selbst nachlesen.


Wir leben nicht mehr im Altertum, auch nicht mehr, oder vielleicht doch wieder, im dunklen Mittelalter der Folter, Inquisition und Hexenverbrennung. Wir leben im Jahr 2018. Was bedeutet das konkret, wenn sich jemand entweder selbst, oder andere töten möchte? Die Gesellschaft will nicht, dass er, weder das eine, noch das andere tut. Und ergreift Massnahmen. Historisch waren das Gummizellen, kalte Bäder, Spritzen, hirnchirurgische Eingriffe u.a.


Psyche, die Schöne, die menschliche, hat auch ihre Schatten. Sie wird bewundert, beneidet, gehasst und gefürchtet kraft ihrer Expressivität. Und das Bedürfnis ist groß, genauso wie beim Sex, sie zu kontrollieren. Zu kategorisieren, was gut, was schlecht ist. Ohne in die Philosophie auszuufern, das Gesödere geht zu weit!


Die Schöne wird stigmatisiert, wenn sie sich nicht an die engen Grenzen der sogenannten "Normalität" hält, wenn sie mal eine Krise hat, unglücklich verliebt oder tief verzweifelt ist. Dann muss sie "behandelt" werden. Aber nicht so, definitiv nicht so. Vielleicht könnte man mal erst Leute fragen, die sich mit der Psyche etwas auskennen? Nicht weil die klüger sind, einfach nur ein wenig mehr wissen. Vielleicht könnte man die öffentliche Meinung mal hinterfragen, wie groß ihr Bedürfnis nach Sicherheit ist, dass sie klaglos Abhörskandale, Weltwirtschaftskrisen, Flüchtlingswellen, weltweite Kriege, Drohnenpleiten, Vorratsdatenspeicherung und weitere ungezählte Peinlichkeiten über sich ergehen lässt. Steuerhinterziehungen, Off-Shore-Briefkästen und dergleichen habe ich noch - wie so vieles andere - der vergangenen schwarzbraunroten und gelbgrün flankierten Ära vergessen. Oder Alt-Werden, ein Skandal. Sag' mir wo die Psyche ist, wo ist sie geblieben? Eines ist sicher, todsicher, sie wird immer mehr verwaltet, mit hunderten von Gesetzen und Formularen.


Eine Tragödie -ganz im Sinne des altgriechischen Theaters. Bändigt die Schöne!