Schriftsteller, Fotograf, Indipendent
 
schreibend und sehend leben

 


Seit Sommer 2018 bin ich nicht mehr als Psychotherapeut/Verhaltenstherapeut für Erwachsene in meiner Praxis tätig.

Mit der freiwilligen Rückgabe meiner Approbation entfällt das Tätigkeitsmerkmal "Psychotherapeut" unwiderruflich.

Ich bin frei!



MACHT BRAUCHT KONTROLLE - IMMER.

Sonst endet sie irgendwann tödlich.

1. Oktober 2020



Plädoyer für eine kollosale Revolution des Denkens und Seins

Die Menschheit hat sich abgeschafft, wir erleben das Primat der Dummheit und Brutalität.

Kultur ist ein Schambegriff, ein Feigenblatt der Impotenz.

Die Jungen, und ich sage nicht die Jugend, denn die ist anarchisch,

stellen sich zu Recht die Frage, die den Alten die Geschichte stellen wird:

Wo wart ihr Irren, als man euch gebraucht hat?

Die Menschen wollen Positives hören,

verständlich, aber,

wenn sie (xxx, sie kennen das Fäkalwort) produzieren.


Das LEBEN gehört  E U C H, den Jungen, das ist Natur, Gesetz.

Die Alten haben gelebt und abgewirtschaftet, im Denken, im Sein, in ihrer 'attitiudes'.

Sie werden sterben, zu Recht!

Das ist das Gesetz.


Aber, ihr Jungen, ich warne euch, dass eure Hirne nicht alt sind,

bevor ihr gelebt habt:


und ihr Worte in die Welt klopft, die neumodisch klingen, aber

nicht mehr als altes Denken sind.




DIE ETHIK DER GEWALT, DES MORDENS UND DES SCHWEIGENS

Versuch einer kleinen Analyse der Angst

Kolesnikowa, ein Name, ein Schicksal, stellvertretend für Abertausende, die weltweit, ob aktiv oder passiv gegen Unrecht und Gewalt protestieren, alleine schon durch ihre bloße Existenz. Es gibt sie! Jene, die nicht dulden und schweigen, jene, die handeln, jene, die ihre existentielle Angst aushalten und ihr ins nackte, hässliche Gesicht schauen, jene, die Mut haben und mehr als das. Die Angst ist auf beiden Seiten, dort wo die Panzer auffahren, die Galgen nicht zur Ruhe kommen, die Morgensonne mit hinterhältigen Genickschüßen begrüßt wird. Seit ich weiß, wie es wirklich auf der Welt zugeht und nicht nur von der bequemen Couch aus zusehe, hat sich mein Leben verändert, schrieb jüngst ein berührter Journalist. Wohlgemerkt, es geht hier in dieser Stellungnahme nicht um Moral, die ist längst im Abort der Weltgeschichte weggegurgelt, hier geht es um die in die Enge getriebene Bestie Mensch. Und mit nichts anderem hatten und haben wir es immer zu tun. Im Namen der Ordnung, natürlich.  Heute erfährt man in Echtzeit, wenn ein Eisbär am Nordpol furzt, das ist digitaler Alltag. Aber man erfährt auch, wer, wie, wozu, tödliche Gifte verabreicht, stranguliert, zusticht, zerstückelt, einbetoniert, droht, einschüchtert, enthauptet, foltert, 'verschwinden' lässt, anspuckt, mit dicken Knüppeln prügelt und noch einiges mehr. Es geht immer nur im das Eine: Macht. Der Mensch will Macht und manche ganz besonders. Und es geht um Angst vor Schmerz, Elend und Tod.

Zivilisation, die lichte Göttin, geht einher mit Macht, im Reich aller Lebewesen, auch der Tiere, die ihre eigene Art der Zivilisation haben. Augenscheinlich, phänomenologisch sichtbar als napalmbrennendes Mädchen in Vietnam, gestern, oder der Drohung, 175 Jahre eingelocht zu werden in foltergenerierender Einzelhaft, heute. Angst - Macht - Ohnmacht: "Wissen ist Macht", stand über der Pforte des Gymnasiums und steht über der Himmelstür der Universität. Die Wahrheit ist, Wissen rettet uns nicht, es terrorisiert uns alptraumhaft tagtäglich. Der Krieg ist überall und dringt in die kleinsten Ritzen der eigenen Existenz. Wer oder was ist stärker? Die Allmacht der Mächtigen, oder die ethische Macht der Ohnmächtigen? Fragt man junge Menschen, was ihnen am Wichtigsten ist -außer ihrem Mobilfetisch-, sie reden von Materiellem, manchmal auch von einfachen Sachen, wie Glück, Liebe, Gesundheit, Kinder, Bildung. Zivilisatorische Wunschträume! Die Wirklichkeit der Welt sind Panzer, Pestizide, faulende Wasser, Fukushima, stinkende Löcher, in denen Unglückliche verrecken, Terror x 360 Grad. Ich schreibe hier auch in Echtzeit, Lebenszeit, obwohl ich mir eine Menge anderer Sachen vorstellen könnte als das. Man hat keine Wahl: GEHORCHEN,  o d e r   WIDERSTEHEN. Angst darf man haben, aber man sollte mit und an ihr arbeiten. Es ist schon erstaunlich, die größten Drecksäcke leben am längsten, meistens relativ gesund und wohlbehütet - eine Absurdität, ganz im Camus'schen Sinne. Welche Rolle sollte man demnach im Leben wählen? Drecksack, oder Depp?


Ich spreche von Ethik.

Was ist das?, noch nie gehört? In der Sprache der Zukunft wird es diesen Begriff nicht mehr geben: zu anspruchsvoll. Die Sprache der Zukunft ist "nice". Kurz, eingängig, nichtssagend. NICE ist alles. Und man denkt in NICE. Frau, Man, gehorchen. Denn alles ist "nice". Warum sich Gedanken machen, wozu Konflikte? Noam Chomsky nannte es den restringierten Code der, ja, so bezeichnete er das, UNTERSCHICHT. Und wo es eine Unterschicht gibt, da muss es auch eine OBERSCHICHT geben, eine andere Kaste. Aber das ist nicht das Thema. Das Thema ist Ethik. Ein Wort, im Verschwinden begriffen. Eliminiert. Denn alles ist 'nice'. Wie schön ist die Sonne, wenn sie nicht heiß ist und brennt, sondern uns knackbraun macht. Wie schön ist das Meer, wenn wir uns in seinem Blau ergötzen und es mit einer Allergie verlassen? NICE. Wer redet da von Ethik? Das Recht auf Glück! Haben wir doch, wir dürfen selbststeuernde, digitalisierte Luxustrucks in Zukunft fahren, unser tägliches Brot vom Mars bestellen, das Alter wird weggeliftet, geschweige denn der Tod. Da klngt die Realität von 2020 geradezu archaisch. Ich wiederhole mich ungern. Deshalb wende ich mich jetzt wieder dem kleinlichen Alltag zu, in dem ich demjenigen Glauben schenken darf und soll, dass die Zivilisation immer Fortschritt bedeutet. Auf jeden Fall!!!





Hau ab!

Das sollte man allen auf der ganzen Welt sagen, die meinen, sie könnten sich prügelnd und mit Gewalt als Führungseliten an der Spitze behaupten. Das gilt für alle, egal wie sie heißen und wo sie hocken. Ich wundere mich, wie ein ganzes Volk sein Denken an ein paar Verbrecher abliefert und sich unterdrücken lässt. '89 fielen die Mauern der DDR, wann fallen die Mauern in den Köpfen der Menschen? Es ist völlig gleichgültig, wie das Vehikel heißt, in dem man lebt, ob Demokratie, Diktatur, Oligarchie oder sonst was. Heute muss man in Deutschland Angst haben, dass man von Schlägern oder fett gefressenen Wichtigmachern frech angemacht wird. Das ist unhaltbar. Da helfen einfache Worte: Hau ab! Wie es in Belarus erklingt, wenn das Volk oder jene, die noch einigermaßen denken können, die Schnauze voll haben. Wenn man es satt hat, beschissen, angelogen, verarscht und unterdrückt zu werden. Das ist gesund. Widerstand zu leisten, wo er längst überfällig ist.

Und wer noch in dem blinden Glauben lebt, das alles geschehe nur ein paar Ameisenvölkern auf dem Mond, sollte spätestens jetzt seine Augen und Ohren weit aufreißen, morgens die analoge sowie digitale "Zeitung" lesen, die globalen und nationalen Ereignisse, um mit Staunen festzustellen, wir sitzen mitten in der (drei Mal dürfen sie raten). Update 26.09.2020.

 

Photo: Ernst Lipps; genehmigt: Musee de la Resistance, 2020





Der Sinn des Lebens, meines Lebens, ist, das zu tun, was ich will.

Argumente für ein Leben als freier Schriftsteller und Fotograf.

Ein Mensch gehört alleine sich selbst und sonst niemandem!

Keinem Gott

Keinem Staat

Keinem anderen Menschen 

Und am allerwenigsten einem Glauben, oder einer Ideologie.

Wenn er überhaupt jemandem gehört, dann dem Leben selbst, dessen Geschenk er ist.

Es ist ein Wesenszug der Kunst, frei zu sein, unabhängig, schöpferisch.

Leben ist Kunst.

Das zu begreifen und, dem zu entsprechen, das ist der Sinn des Lebens eines Künstlers.

Der Künstler unterscheidet sich grundlegend von der Masse.

Die Masse ist Wiederholung (darin steckt das Wort wieder und nicht wider) des ewig Selben.

Er ist Teil der Masse, aber er gehört niemals zu ihr. Er gehört nur sich selbst.

Deshalb sollte er auch die Rituale der Vermassung und des Vermessenen meiden; er ist singulär.

Sein Bewusstsein ist nicht erklärbar, genauso wenig wie ein Vogel, ein Baum, ein Fluß erklärbar sind.

Und es ist auch nicht notwendig, etwas zu erklären, dann ist er kein Künstler mehr.

Kunst ist -wie das Leben selbst- unerklärbar, beschreibbar ja, aber nicht erklärbar.

 Erklärbar ist die Masse. Und lenkbar.

Er ist nicht besonders, er ist anders und das ist selbsterklärend.

Während der Masse-Mensch um maximale Anpassung  an eine vorgegebene Form ringt,

entledigt sich der Künstler jeglicher Form; er wird frei, in allem.

Er erklärt nicht, belehrt nicht, predigt nicht, atmet, gestaltet und ist.

Das mag dem Masse-Menschen Provokation sein, dem Kaiser, dem König, dem Fürsten, dem Diktator,

aber das ist niemals die Metrik der Lebens-Kunst. Selbst das Wort Kunst ist irreführend, eine Hülle, eine

Verbalschablone, denn es geht um die Einmaligkeit des nackten Seins und Wirkens.

Kunst ist anders!

Ein Leben lang strebt der Künstler danach, dem Leben zu dienen, dessen Geschenk er ist.

Das ist die Wahrheit.

 

Ernst Lipps, 17. Mai 2020



Was sind das für Männer, die Frauen vergewaltigen und Kinder missbrauchen? Die in irrwitzige Kriege ziehen, hurra brüllen, töten und getötet werden? Was ist Männlichkeit? Und Weiblichkeit? Was heißt Mensch? Meine Antwort lautet: Der Mensch ist des Menschen Feind! Die tausendfachen Belege ermüden zu psalmodieren, die Presse versucht es, stündlich, tagtäglich, Buchstaben, Worte, Satz für Satz, gehackt, geprügelt, gewürgt. Es ist zum Kotzen. Magersucht des Missbrauchs, Buchstaben schreien es in die Welt, Internet-Orgiastie. Männlichkeit oh là, was ist das? Kann mir einer das sagen, ich grüße den Tod und weiß es immer noch nicht. Ist es männlich, Frauen mit Mord zu drohen, in Deutschland zu leben, Heil Hitler zu brüllen, Angst und Schrecken, Ekel und Ohnmacht zu verbreiten, nur, um mich narzisstisch gestört, männlich zu fühlen, oder es zu glauben? Mir meine eigene Minderwertigkeit als Mann nicht eingestehen zu wollen, das aussterbende Geschlecht. Und wie muss ein Volk beschaffen sein, um solche „Männer“ zu wählen, Genmutanten des Unwissens, der unbewältigten Geschichte und des rückständigen Geistes? Oder, solche Frauen, Krimhildes des 21. Jahrhunderts, die im Mittelalter pubertieren?! Wer hat Angst vor der bösen Mutti, die ihre Babys an perverse männliche Monster verkaufen? Ist das Evolution, ist das Kultur? Seit jetzt, weiß ich, Sigmund Freud war genial in seiner Zeit, aber unbrauchbar, die Perversität des 21. Jahrhunderts zu analysieren: es gibt keinen Penisneid, auf diese Männer ist keine Frau stolz, außer sie ist chronisch abhängig. Es gibt keinen Penis-Neid mehr, wohl aber Muschi-Angst. Beweis: Juli 2020 – Zeit+, halt so ein Online-Ding, titelt: In Putin-Russland wird eine junge Künstlerin staatlich sanktioniert, weil sie Muschis zeichnet, also was richtig Weibliches, ihr eigenes Ding?! Fasse ich das? Kunst ist heilig, über den Dingen stehend, des Lebens Atem. Jetzt darf eine Frau nicht ein mal mehr ihre Identität grafisch publizieren? Ich lese das und denke mir, in welcher ZEIT lebst du?  Im Mittelalter, in der Steinzeit, oder wo? Die Neuen Zaren -weltweit, wohlgemerkt, sie schießen wie die Pilze aus dem Boden, Söder in Deutschland, usw., - Putin, Duterte, Macron, Trump, oder wie sie alle heißen, die ein buckliges Volk brauchen, um ihre Allmachtsfanatsien zum Blühen zu bringen, Bolsenaros, die Liste wächst tagtäglich, alle haben Angst vor Muschis. Und dass die Muschis sie abtreiben könnten. Angst vor, man glaubt es kaum, vor weiblichen Lust-Pforten, manchmal auch Frust-Tempeln, die Muschi-Angst vor Frauen. Oder geht es gar nicht um Muschis, geht es um Gehorsam, Milgram lässt grüßen? Einen Angriff auf den freien Willen, geschlechtsübergreifend. Wenn ich lese, dass in Russland das Gleiche gilt wie auf der ganzen Welt und deren bekannten Imperien: China, Afrika, Amerika, Europa u.a., wo überall gilt, 1% hat genauso viel wie 99%, die sich die andere Hälfte teilen müssen, welche Rolle spielt da Muschi-Angst? Ein Mann kann vergewaltigen, missbrauchen, oder im Krieg verrecken. Ist das Männlichkeit und wofür wird sie (miss-)gebraucht? Männlichkeit ist die Reinheit des Denkens, Fühlens, Handelns. Die quantitaven Pole sind Feigheit und Heldentum. Aber nicht eine erbärmliche Muschologie. Ist Dummheit eine chronische Krankheit? Belesen wir uns in den Analen der Psychopathologie, an denen immer noch weitergeschrieben wird, machen wir uns sachkundig. Wie gestört muss eine Gesellschaft sein, die ihre Augen verschließt vor Gewalt, Unrecht, Ungleichheit und Mangel an Glück und Chancengleichheit? Welche Priviliegien sind da bedroht und müssen mittels Überwachung, Kontrolle, Mind-Control, Repression zu kollektiv-psychotischen Mustern erzwungen werden? Mit Gesellschaftsneurosen? Dabei: Jede® kommt nackt auf die Erde und verlässt sie auch so, durch die Leichenhalle, ins Krematorium oder ins Reich der Würmer, manche auch in die See, nach Belieben und testamentarischer Verfügung. Männlichkeit, wenn ich als Mann dummerweise das kürzere Streichholzende gezogen habe, die Arschkarte!? Kein Geld, kein geiles Auto, kein Haus, gerade ein Loch; keine Frau, keine Kinder? Dann kann ich mich immer noch in die klösterliche Einsamkeit verdrücken, die Kirche freut’s. Gutes tun, beten, sublimieren, möglichst nicht pädophil, bitte. Ein Mann bliebe ich trotzdem, auch wenn ich ein Leben lang es „keiner Frau gezeigt“ hätte. Männlich ist eine Haltung, eine Philosophie, ein Lebensmuster. Wenn es sein muss, kann ich es als Keuschheit oder Tugend stilisieren. Fragen über Fragen, die schlichte Antwort lautet: Der Mensch ist des Menschen Feind, das war meine Erkenntnis vor einer Handvoll Jahren. Und danach richte ich mein Verhalten. Nicht was gesagt wird zählt, was getan wird, oder auch nicht.

Lipps, Vorname Ernst; Nummer Soundso im 21. C.p.Chr



Denn es sei unser Leben ein Sieg.

Ein Sieg über den Tod und das Nichts.

Das Leben lebt uns; in unseren kleinen Dummheiten zeigt es uns ein gewaltiges Sein, das uns -gefangen in der Enge des Bewusstseins- nur ahnen, nie wissen lässt. So leben wir das Abenteuer, in Angst und ohne Wissen, statt in Ekstase zu fallen und Helden zu sein. 3.7.2020

 



OLDTIMER MARKT, Europas größtes Oldtimer Magazin, veröffentlicht in der 07/2020er Ausgabe meinen Schottlandbericht, dessen Bilder und Text ich während der Reise mit der Giulia und deren Besitzer/Fahrer erstellt habe.






Wer gerne liest und das ein Leben lang, stößt irgendwann auf den Namen George Orwell, oder einen Buchtitel wie 'Farm der Tiere' usw.: Sein wohl bekanntestes und letztes Buch "1984" begann er 1946 auf der Insel Jura hier an dieser Stelle zu schreiben, auf der Barnhill Farm im Nordosten der Insel, die zu den Inneren Hebriden Schottlands gehört. Irgendwann in meiner Jugend fiel es mir in die Hände, ich begann zu lesen, las nicht zu Ende, Jahre, Jahrzehnte vergingen, aber "1984" vergißt man nicht, wenn man damit angefangen hat. Eine Dystopie, eine düstere Zukunftsvision. Damals war es für mich ein zu schwerer Stoff, für den ich weder das nötige Bedingungswissen, noch die emotionale Reife und Stärke hatte. Denn der wahre Horror ist alleine mit Blut und Schmerz, mit physischen Verwüstungen, nur unvollständig abbildbar. Orwell bringt es fertig, dass unsere Seele erfriert und unsere Fantasie kapituliert.

Als ich im Sommer 2018 gefragt worden bin, ob ich in einem Oldtimer mit nach Schottland fahren will, da befand ich mich am Beginn eines neuen Lebensabschnitts, besser gesagt, am Beginn des Endes des alten. Es brauchte Zeit, dorthin zu gelangen, wo 'Fantasie auf Wirklichkeit trifft" (Lipps). Aber, schließlich war es so weit: da lag die Barnhill Farm. Dorthin muß man zu Fuß gehen, 12 Kilometer alles zusammen. Orwell schlief im Zelt, draußen vor dem Haus. Er hätte es sicher bequemer haben können, ich glaube er brauchte die Berührung mit der nackten Erde, um seinen Roman zu schreiben, seinen Letzten.

Eine Geschichte zu schreiben, die weder banal, noch abgedroschen wirkt, in der man fröstelt, die Liebe, das Grauen, die verlorene Hoffnung und ähnliches findet, die schreibt man nicht  am sauberen Schreibtisch mit Zentralheizung. Solche Geschichten brauchen den Regen, die Kälte, das zwielichtige Grau. Und noch mehr: Erfahrung, Verarbeitung des Erlebten, sprachliches Ausdruckssvermögen, Vorstellungskraft und eiserne Disziplin. Alles braucht seine Zeit, im Leben und in der Literatur.

Warum erzähle ich das? Die Antwort findet man in "1984". Und auf Jura, der Insel im Atlantik.



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Rühre nicht an das Haus der Träume, es sei denn, du bist dir deines Tuns bewusst.

- inspiriert von einer Begegnung -


>>Das Herz der Bärin<<, oder einer Eisbärin auf einer Scholle aus blauem Eis, das ist ein magischer Film von der Art, wie es nicht oft Filme gibt.

Was geschieht, wenn sich eine wilde Eisbärinmutter mit messerscharfen Krallen aufmacht und ihre Eisscholle freiwillig verlässt, um in den  Dschungel des Schwarzen Panthers an der Südspitze von Feuerland einzudringen? Wir befinden uns dann im Reich der Magie und Märchen, im Legendenreich der Fantasie. Das glaubt keiner, aber es ist nicht wichtig, denn Glaube ist die irrige Formel des Unerklärbaren. Aber das Unerklärliche ist das Reich der Freiheit.

Kinder verstehen das, ohne zu wissen. Sie sind noch nicht sozial vergesellschaftet oder aktienmäßig verdummt. Sie sehen mit ihren Engelsaugen in das Reich und die Herrschaft von Erwachsenen. Und dort herrschen "Gesetze", die aber gebeugt und "ausgelegt" werden, so wie man sie braucht.

Was heißt LEBEN?

Leben ist Kampf.

Mit ungleichen Mitteln, mit Lug und Betrug, Illusion, Hoffnung, Lüge, Glauben, Verrat und Dummheit. Leben ist Zeit x X. Das große X. Das Unbekannte. Tiere haben ererbte Schemata, gengenerierte Automatismen, lehrt der Mensch, und glaubt, den Tieren überlegen zu sein, weil Eisbärinnen Menschen fressen, wenn diese dumm sind. Wo doch der Mensch gläubig, katholisch, buddhistisch, islamistisch oder was auch immer, moralisch, integer sei.

Der Mensch muss das Tier in sich verleugnen, denn er will immer besser sein als das Animalische. Man nennt so was Kultur.

Man könnte es auch als einen Irrtum bezeichnen. Ein Schwarzer Panther lebt im Dschungel, wo er ausgerottet werden wird -vom Menschentier-, dem Großen Raubtier. Bis wieder einmal ein winziges Virus ihm, dem Pharaonen, das Zittern lehrte, das Fürchten, das Schwitzen - die nackte Angst.

Kürzen wir ab: LEBEN = ZEIT,

vom ersten Schrei, vom ersten Atemzug, bis ans bleiche, morsche, kalte Ende.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Ich danke Dir, Eisbärin mit den tödlichen Krallen,

dass Du dem Panther Deine ZEIT geschenkt hast.

Das Resultat sind Spuren im arktischen Schnee.

EROTIK

...das passt überhaupt nicht zu Deutschland!

Sie passt in kein Land dieser Welt.

Oh je, das ist ein Unwort; aber, ich alter Sack werde nicht dumm und blöd sterben, das habe ich mir geschworen.

Dabei, ich bin kein Bildungsbürger und es geht überhaupt nicht um mich, es geht um die sublimierte Sexualität -nicht der Tiere-, nein, des Menschen.

Über Themen wie Gewalt usw. weiß jede(r) Bescheid, aber...,

EROTIK,

was ist das?

Das ist wie eine Seuche: alle machen mit, beim Lieben, Schlaumeiern und Schwätzen.

Was bedeutet EROTIK für den Schriftsteller? SKYLLA & CHARYPDIS; ein Alt-Grieche zieht eine höhnische Grimasse.

EROTIK ist die sublimierte LEBENSKUNST.

Wissen, um die Quadratur des Kreises, Alchemie, Geheimbünde, Harry Potter für Erwachsene, kurz: state-of-art.



E  R   O   S,



der Gott der Liebe


absolut


konkret


unzensiert


handlungs-lustig,


ein Gott, eben, was denn sonst?


Vorgestern hat eine  Frau im Fernsehn sich so geäußert: "Das Internet ist ein Paradies für Feiglinge". Und sie hat diese Aussage begründet mit den zahlreichen Postern und Posterinnen, die die Anonymität im Netz dazu missbrauchen, um als gefährliche Heckenschützen und Spammer ihre krude-kriminellen Ansichten loszuschleimen, voller Hass und Heimtücke, und Lügen. Den Namen der Frau habe ich nicht mehr mitbekommen, aber das war eine der intelligentesten Aussagen, die ich seit längerem wieder gelesen habe. Sie spricht mir aus dem vollen Herzen. Wenn ich mich hinter einem Pseudonym oder in der aufgeheizten Masse als Mitläufer verstecke und Schund verbreite, dann bin ich wirklich der geborene Feigling, der mit unsäglichen Mitteln andere belästigt. Deswegen, wenn Sie was zu sagen haben, dann bringen Sie auch die Eier (als Mann) mit, es mit ihrem Namen zu tun. Gleiches in entsprechender Abwandlung gilt für weibliche Dreckschleudern. Wut ist ein Gefühl, eine Emotion, die man äußern darf und muss, Hass aber ist tödliches, mörderisches Gift.

Entweder ich sage es offen, oder ich schweige!


***


Das Bild für das Plakat entstand in Isle-sur-la-Sorgue. Ich hatte Prints in Schwarzweiss von Muriel mitgenommen, um sie ihr -sollte der Zufall es wollen- zu überreichen. Ein Dankeschön für Musik und Fotografie - live. Patrick sang alleine, er nahm die Abzüge entgegen, die viele Jahre zuvor von mir gemacht worden waren. Ich liebe Spontaneität, wenn man nicht viel überlegt, sondern macht und alles fügt sich von selbst.  Ursprünglich hatte ich Muriel portraitiert, vor vielen Jahren, mehrfach über die Zeit verteilt. Nun meinte er: ich brauche ein Bild für ein CD-Cover. Nichts leichter als das. Fotografie verbindet Menschen und Situationen. Die grauenhafte Art, heute damit umzugehen per Verordnung, Raub, illegaler Verwendung, usw., bereitet mir Übelkeit. Fotografie ist Begegnung, Einverständnis, Können, Spontaneität. Dann wird sie zeitlos.

Muriel und Patrick haben vor Jahren schon in der Provence in Dörfern und Städten gesungen. Es ist die angenehmste Art, Menschen, Künstler, Sänger live zu portraitieren, ganz besonders im Wilden Süden Frankreichs. Es war mir immer ein großes Vergnügen, sowohl Muriel und jetzt auch Patrick, portraitieren zu dürfen und das Typische ihrer Lebensweise und ihres Gesangs mitzuerleben.

merci




LA PESTE;

...schon immer fürchteten die Menschen Krankheiten und Tod. Die Ratten brachten damals die Pest aus den Häfen mit ins Land. Man baute kilometerlange hüfthohe Mauern mit kleinen Waechternischen -ein hilfloses, erfolgloses Unterfangen- die Ratten sprangen quietschend darüber und breiteten sich aus. Die Ratten konnten nicht wirklich was dafuer, dass sie Elend und Tod den Menschen brachten, sie waren nur die Träger des Verderbens. Der Aberglaube tat den Rest. Und heute?

Die Seuche verändert nicht die Welt, sie lässt sie sichtbarer werden.




Kunst und Literatur sind die Antworten auf die schwindende Zeit eines Menschenlebens: Ein Virus verändert die Sicht auf uns alle: Die Krise - weltweit

Jede(r) hat Vorurteile!

Das ist psychologisch normal.  Das Leben ist endlich, Krankheit und Tod, wie Geburt und die Liebe, der Sex, gehören dazu. Ich habe noch ein paar wenige Jahre zu leben, habe ein reiches, erfülltes Leben gelebt, nach besten Wissen und Gewissen und Können. Mehr geht nicht für einen wie mich. Gehöre zu der Risikogruppe Alter Sack. Aber seltsam, mich juckt das nicht. Ich verfolge erstaunt, entsetzt, kopfschüttelnd, ..., unsre Medien und ihre zahlreichen Berichte: bin schockiert, berührt, entsetzt, fatalistisch, je nach Stimmungslage;das ist normal. Ich liebe mein einziges, individuelles,, kostbares Leben.  Und es ist gut, dass mal alle Ressentiments, alle Lügen, alle Illusionen mal auf den Prüfstand gestellt werden, längt überfällig. Glauben sie mir, das Leben ist schön und beschissen gleichermaßen, ungerecht wie die Sau und unkontrollierbar wie's Universum, die Galaxie. Und das lässt mich mit Wärme, Humor und Gelassenheit, es mich leben bis ans Ende meiner Tage. Ein Hobby von mir -wie ich das Wort hasse-, ist die Politik und die Geschichte ); leider raubt mir beides die beste Zeit meines Daseins, da ich zutiefst davon überzeugt bin, dass (s.o.) Kunst und Literatur wichtiger sind als diese Fakten.

Glauben Sie mir, es geht immer nur um eines:um das liebe, verhasste, gierige Geld ²), hinter dem der Mensch, wie nach seiner Unsterblichkeit hinterherjagt. Denn, sterben kann man nur einmal und ob es dann für alle Ewigkeit 'Aus' ist, oder ein paradiesisches Danach uns sehnlichst erwartet, die Angst ist der treue Gefährte. Ich kann es nicht leugnen, ich habe eine einsame Wahl als Jugendlicher getroffen, Psychologe zu sein. Menschliche Verhaltensmuster einschließlich der eigenen natürlich, sind mein Steckenpferd. Und biographisch determiniert, vorherbestimmt, habe ich es mit der Sprache: derb, leidenschaftlich, obsessiv, lustvoll, staunend, ewig. Die Sprache der Angst und des Todes ist überwältigend, verwirrend, entsetzlich, unausweichlich. Doch sie trifft uns/mich (noch) nicht. Wir haben noch Zeit, in Kategorien von Erfolg, Karriere, Gesundheit, Fitness und allem möglichen zu denken. Und wir haben die Demokratie, die Neo-Diktaturen, die Menschengesetze und unsre Hoffnung

Wir wollen leben!

Selbst ein Depressiver, ein Paranoider, ein Machtgeiler, halt ein Mensch und eine Persönlichkeit wie unsre Cheerleaders wollen das. Die Ansichten, wie man zu leben hat, gehen dabei weit auseinander, was ja nicht schlecht sein muss. Aber warum Hass, warum Neid, warum Mord? Hätte der Mensch in seiner bewegten Geschichte etwas gelernt, anhand seiner Vernunft sich transzendiert in sein begrenztes Sein, man könnte mehr an Problemlösekompetenz von ihm erwarten, als den eigenen Vorurteilen auf den Leim zu gehen.

Ich grüße dich, Leben, ich grüße dich, Tod,

sei gnädig zu mir!

Der Psychologe


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²) Finanztransaktionssteuer: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/boerse/europa-finanztransaktionssteuer-101.html

Stichworte:

- Finanztransaktionssteuer
- Hochfrequenzhandel/-händler
- Kleinanleger
- Liquidität
- Kursschwankungen/-einbrüche
- Milliardengewinne (Börsenlotterie)
- Weltwirtschaftskrisen
- Blitzeinbrüche "Flash Crashs"
- Ist die Seuche an allem schuld?
- Computergeld
- wem gehört die Welt?/das Geld?
- Spekulanten
- der deutsche Minister der Finanzen
- Derivate und internationale Briefkastenfirmen
- Deutschland schenkt den Zockern Milliarden
- 0,2% - ist das viel?

Was hat Geld mit Literatur, Fotografie, Psychologie zu tun? Mehr als man denkt und der o.g. Artikel fasst die globalen Zusammenhänge kurz und prägnant zusammen.

Das Geld bestimmt alles im Leben, es ist die Seuche





Ein Gedanke mag den Geist befriedigen, ein Bild kann das Herz beseelen

- mein Credo-


RENDEZ-VOUS-IMAGE 2020


Ein Mensch, der sich als schreibend wahrnimmt wie ich, der ohne zu schreiben nur schwer leben könnte, was nicht bedeutet, dass er immer schreiben muss oder zwanghaft reagiert, wenn er mal nichts schreibt, will und muss das Geschriebene zeigen, teilen, wie man es heute nennen würde. Wenige Tage, nachdem ich mein erstes selbst erstelltes Buch bei Wanderer bei Hannover hatte drucken lassen, hatte ich einen Traum: ZEIT, mein eigenes Buch geht seinen Weg, verlässt mich, um hinaus zu gehen in eine dunkle, schmutzige, ja dreckige Welt. Es ist ein Teil von mir, der ab jetzt ohne mich sein Eigenleben führt. Das waren meine spontanen Gedanken und Empfindungen mitten im Traumgeschehen. Das Loslassen und Verlassen ist der entscheidende Schritt. Das war im Januar 2016: ich musste loslassen, von der Idee, von der Umsetzung, vom Ende des Entstehungsprozesses dieses Buches. Und so ist es bis heute geblieben, der Urheber hat wenig bis gar keinen Einfluß mehr, was daraus wird. ZEIT ist ein Findling, ein Schriftstück mit Fotografien zwischen zwei Hardcover-Buchdeckeln. Ich will mich nicht auf den Wert -wie immer man den definieren kann- eines solchen Produktes konzentrieren, sondern auf den Prozess seines Zustandekommens. Die erste und wichtigste Frage ist, würdest du das nochmals machen? Dir ein Buch aus den Rippen schneiden? Für eine positive Antwort gäbe es verschiedene Kriterien, anhand derer man die Frage beantworten könnte. Mir war von Anfang an klar, dass es jenseits der 60 illusorisch ist, sich auf die mit Gewissheit frustrierende Suche nach einem Verlag zu machen, aussichtslos! Unrealistsisch. Für mich schied das von vorneherein aus. Ich nahm die Sache selbst in die Hand und auch für meine Verhältnisse viel Geld: vorfinanziert, den Druck. Heute gibt es ein massives weltweites Überangebot an guten Büchern, die ihre Leser-innen suchen, besonders bei Fotobüchern. Um ein eigenes Buch zu machen, muss man dafür arbeiten. Und wenn man wie ich damals noch mitten in seiner ursprünglichen Profession steht und seinen Lebensunterhalt damit verdient, kann das nur bedeuten, dass man einen Nebenfluss zum Strom gräbt, in der Hoffnung, Nuggets zu finden: Goldgräberromantik, sonst nichts. Wenn ich also jeden Cent selbst bezahlen und verdienen muss, dann will ich auch mit sprühender Freude und unbeschreiblichem Hochgenuss zu Werke gehen, dessen war ich mir bezüglich meiner intrinsischen Motivation gewiss. Ich mache mein Buch ganz wie ich es will, allerdings wohl darauf achtend, was andere dazu meinen. Letztendlich bleibt es die eigene Entscheidung.


2020 - Ja, ich würde es noch einmal machen, genau so, nicht anders: auf eigene Faust und Risiko, in der Lust des Momentes, im zündenden Augenblick, wenn die Ideen kommen und festgehalten werden wollen. Und die Ideen, Wort, Sätze kamen spontan: auf dem Weg zu Fuß, zur Arbeit - päng, ein Gedanke, so klar, dass ich kaum erwarten konnte, am Schreibtisch in der Praxis damals noch zu sitzen und ihn schnell auf einen Zettel zu schreiben, bevor der Alltag seine Erinnerung raubt. So begann oft mein Arbeitstag, damals. Und heute sitze ich hier in den selben Räumen, die keine Praxis mehr sind, sondern ein Atelier, eine Werkstatt wie es auf gut Deutsch heißt. Der Schreibtisch, die Werkbank, alles andere losgelassen, zurückgelassen, viele, viele Illusionen, die ganz besonders, schmerzlich und gut so. Trennung von Illusion und Realität. Aber ganz ohne Illusionen oder romantischen Vorstellungen geht es auch nicht, dafür wäre das Leben zu arm. Wenn ich mich in den vergangenen Wochen und Monaten ab und zu etwas eingehender mit anderen Menschen unterhalten habe, dann kam irgendwann bei meinem Gegenüber die Sprache auf die Zukunft und auf die still gehegten Träume und Pläne, deren Zeuge ich dann geworden bin. Das gab mir die Gewissheit, dass in vielen, vielleicht in den meisten Menschen im Inneren eine eigene Welt hockt, verborgen und gesichert vor der brutalen Umwelt, die ihre eigenen Gedanken, Emotionen, Geschichten und Träume hat. Vielleicht ist es das, was die Menschheit bisher vor dem Untergang bewahrt hat, die Sehnsucht nach dem Anderen Leben, dem Geträumten, Ersehnten, Wahren. Viel Geld, Reichtum, Macht, Jugend, Schönheit, Einmaligkeit - alles vergänglich. Die Zeit läuft, zinslos.


Nur zurück in die Vergangenheit blicken, sinnlos. Hektisch so viel wie möglich in einen einzigen Tag hineinpacken: ungesund und dumm. Mit aller Hoffnung an eine bessere Zukunft glauben: naiv. Es ist nicht die Linearität der Prozesszeit des Lebens, es sind die Anker, die uns mit unserem Leben halten und verbinden, die Anker, die wir beabsichtigt oder unbeabsichtigt spontan im Fluß der Zeit werfen oder fallen lassen. ZEIT war einer dieser Anker, die ich werfen m u s s t e, um so leben zu können wie es meine Person und mein Lebenslauf es von mir verlangt hat. Aber der Anker ist am Morgen jenes Traumes gelichtet worden, als ich das Buch innerlich loslassen musste, seinen ungewissen Weg hinaus gehen lassen musste. Es bleibt "mein Sohn", die geistige Repräsentanz des Schriftstellers wie er sein Leben träumt, inmitten seiner Figuren. So wird man seinen Sohn ein Leben lang mal mehr, mal weniger im Auge behalten und im Herz mit sich tragen, man wird sich auf die eine oder andere Art in seine Figuren, die Imagines, verlieben, platonisch, väterlich, oder auf eine nicht besschreibbare Art. Die Imagines gehen ihren eigenen Weg und das ist gut so. Und der Schriftsteller-Vater ist stolz auf seine Figuren, er hat sie erträumt, ersehnt, visioniert, imaginiert und niedergeschrieben. Die Feder, der Füllfederhalter, das Notebook, was auch immer, sind seine Werkzeuge auf der Werkbank. Er weiss um die Dinge und erhebt sich in seiner Fantasie, nimmt die Kamera, notiert, skizziert, projeziert in den Text hinein. Die wirkliche Werkbank ist aber ganz wo anders: sie ist in seinem Kopf, Tag und Nacht, wach und träumend. Sie ist der Puls der Zeit. Dessen ist er sich gewiss, zweifelslos. "Inmitten" des Geschehens, mitten drin unter den 3.700 Besucher-innen des RDVI im Palais du musique et de congrès, bleibt er der stille Beobachter von Zeit und Menschen einschließlich sich selbst. Denn er wäre kein Schriftsteller, würden ihm keine neuen Plots und Szenen einfallen, die er niederschreiben wollte, weil sie ihn gefangen nehmen, seinen Geist beflügeln und nach einer eigenen Form drängen. Das Schreiben geschieht nicht um seiner selbst willen, es ist lediglich Ausdruck eines ewigen, fantasiebegabten Kindes, das seinen Weg in die Welt und ins wilde Leben sucht.




RDVI 2020, Strassbourg

https://www.rdvi.fr/les-selectionnes-2020.html


 


 

„Du musst eine Geschichte erzählen“ oder Mann und Frau an Punkt X


Der geborene Schriftsteller Ernst Lipps nimmt sich Zeit und schreibt über „Zeit“.
Ein Schriftsteller kann überall sein, er spricht durch seine Figuren, mit und über sie. Er beleuchtet ihr Innenleben, genauso wie ihre Umwelt. Einer der schreibt, reist in die Vergangenheit, genauso wie in die Zukunft. Was kümmert ihn die Zeit? Dank seiner Vorstellungskraft sind alle Türen offen, auch die zum imaginären Punkt X, wo Weichen gestellt werden. „Zeit“ heißt das Debüt von Ernst Lipps, eine Collage aus Texten und Fotografien, ein Buch, das Biographie, Science-Fiction, Poesie, Beobachtung und Philosophie klug verbindet. „Ich hatte keine andere Wahl“, schreibt der Offenburger Diplom-Psychologe Ernst Lipps über seine Motivation.   

Ernst Lipps berichtet im Anfang aus seiner Familiengeschichte und ihren Katastrophen. Der studierte Psychologe ist unter der biographischen Last nicht zusammen gebrochen, sondern hat taff sich (etwas) aufgebaut. Trotz vieler Reisen (Sibirien, St. Petersburg, Mongolei) spürte er „einen Fleck in meinem Herz“. Diese Erkenntnis trifft ihn wie ein Hammerschlag. Paris, das er erst mit 60 Jahren kennen lernt, wird zu seinem turning point. „Du musst eine Geschichte erzählen“, wird ihm geraten. Ernst Lipps nennt seine Schriftstellerei „anarchisches Schreiben“, sie beginnt eines Morgens als er „weit in die Zukunft träumte.“

Seine Geschichte ist wie jede gute Story schnell erzählt. Ein Mann und eine Frau betreten die seit 1000 Jahren menschenleere Erde. Sie sind Nachkommen von Flüchtlingen und mit überirdischen Kräften ausgestattet. Ihre menschlichen Emotionen haben sie aber behalten. „Die Menschheit des 21. Jahrhunderts hatte sich mit Stumpf und Stiel ausgerottet“, schreibt Ernst Lipps über „diese unglückliche Rasse“, die mit O'anna und dem Nomaden und Krieger „der 13. Sohn“ einen Neuanfang wagt.

Der Mann in der Geschichte bleibt Wort, die Frau wird Bild. Ernst Lipps hat mit einem Modell in einer alten verlassenen Fabrik künstlerisch hochwertige Akte in schwarzweiß fotografiert. Der Fotograf Ernst Lipps begleitet O'anna vom Eintritt durch eine Tür in die Räume und Hallen, wo die Menschheit am großen, industriellen Rad gedreht hat. Die vielen Scherben sind ein Symbol dafür, wie brüchig doch alles ist. An O'annas Mimik und Gestik liest man die Verwunderung über diesen „lost place“ ab. Diese Reste der Zivilisation sind Anfang und Ende zugleich. Ernst Lipps spielt mit Licht, Perspektiven, Schärfen und Unschärfen. Seine Bilder sind Kunst.  

Ernst Lipps nimmt sich die künstlerische Freiheit die Story zu verlassen. Anfangs hatte man den Eindruck, dass hier ein Romantiker und Neo-Symbolist seine Protagonisten wie ein Caspar David Friedrich in seinem berühmten Bild „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ (ca. 1818) verortet. Hinten liegt unsichtbar die Vergangenheit, vorne unterm Nebel die ungewisse Zukunft. Ernst Lipps lichtet den Nebel, schreibt über Glück und die Entzauberung unseres Lebens „durch die Vorherrschaft der Maschinen, besonders der Computer“.

Ernst Lipps' „Zeit“ bewahrt den Zauber, nicht nur am Anfang, wo bekanntlich immer ein Zauber inne wohnt, sondern auch am Schluss, auch ohne klassisches Happy End. O'anna wird Mutter, „der 13. Sohn“ wird ein Vater und bleibt auf der Erde und wird sich wohl vom Krieger und Nomaden zum sesshaften Bauer wandeln. „Wer hier dauerhaft leben will, muss was tun, die Dinge in die Hand nehmen, nicht hoffen und warten bis alles gut ist. Wildes Land.“ Diese heroischen Zeilen könnten aus einem John Ford Film sein, tatsächlich stammen sie von einem Neo-Symbolisten aus Offenburg. Ein programmatisches Buch!


Der Text stammt von Pascal Cames, Autor aus Offenburg

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